„Leben wie ein Baum,
einzeln und frei,
und brüderlich wie ein Wald,
das ist unsere Sehnsucht.”
Nazim Hikmet
Nazim Hikmet war ein türkischer Dichter und Dramatiker. Er gilt als Gründer der modernen türkischen Lyrik und als einer der bedeutendsten türkischen Poeten.
Nazim Hikmet wurde 1902 in Thessaloniki geboren und starb am 3. Juni 1963 in Moskau.
2002 wurde von der UNESCO zum Nazim Hikmet-Jahr erklärt.
Wegen seiner politischen Gesinnung wurde Nazim Hikmet 1938 zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Bis 1965 waren seine Werke in der Türkei verboten und wurden ausschließlich im Ausland gedruckt und unter der Hand verbreitet.
Während seiner Haft arbeitete Hikmet an seinem Hauptwerk "Ansichten der Menschen in meinem Heimatland".
Erst 1950 wurde der Dichter nach internationalen Protesten freigelassen und fliehte wegen Morddrohungen über das schwarze Meer und kam schliesslich in Moskau an, wo er 1963 verstarb.
Am 6. Januar 2009 erhielt der zu Lebzeiten ausgebürgerte Dichter postum die türkische Staatsbürgerschaft zurück.
Nazim Hikmet hat es trotz Verfolgung, Publikationsverbot und Exil geschafft, die türkische Literatur nachhaltig zu prägen.
Nach Jean-Paul Sartre „...sah Nazim Hikmet den Menschen als etwas, das erst noch geschaffen werden muss.”
„Heute ist Sonntag.
Heute haben sie mich das erste Mal in die Sonne hinausgelassen.
Und zum erstenmal in meinem Leben verwundert darüber,
wie weit weg der Himmel von mir ist, wie sehr blau er ist, wie großflächig er ist,
stand ich da, ohne mich zu rühren.
Dann setze ich mich mit Ehrfurcht auf die Erde,
meinen Rücken lehnte ich an die Wand.
In diesem Moment weder das Fallen in die Wellen, noch Streit, noch Freiheit, noch meine Frau.
Die Erde, die Sonne und ich... Ich bin überglücklich...”
„Heimkehren will ich zum Meer,
hineintauchen in den blauen Wasserspiegel, ins Meer!
Heimkehren will ich zum Meer!
Die Schiffe streben zum Horizont,
hell und weit,
ihre straffen Segel sind nicht gebläht vom Leid.
Ich wäre glücklich,
könnt ich einmal auf einem solchen Schiff Wache tun.
Da uns der Tod eines Tages gewiss ist,
nun so möcht ich wie ein in der Flut versickerndes Licht
verlöschen im Meer.
Heimkehren will ich zum Meer!
Heimkehren zum Meer”!
„Das schönste Meer
ist das noch unbefahrene
Das schönste Kind
ist das noch nicht erwachsene.
Unsere schönsten Tage
sind die noch nicht gelebten.
Und das schönste Wort das ich Dir sagen will
ist welches ich noch nicht ausgesprochen habe...”
„Über dem Meer die bunte Wolke
Darauf das silberne Schiff
Darinnen der gelbe Fisch
In der Tiefe blauer Tang
An der Küste ein nackter Mann
steht da und denkt
Soll ich die Wolke sein?
Oder das Schiff?
Soll ich der Fisch sein?
Oder vielleicht der Tang?
Weder die, noch das, noch der!
Das Meer muss man sein,
mein Sohn!
Mit seiner Wolke,
seinem Schiff,
seinem Fisch,
seinem Tang!”
Copyright ©2010 www.flameofweb.com | All rights reserved | Design by flameofweb.com